Hamburg, Das sicherste Haus steht in Billbrook

Von Karsten Broockmann
Hamburgs sicherstes Privatgebäude steht nicht etwa an der Elbchaussee - es befindet sich ein wenig abseits des Industriegebiets Billbrook. Ein schlichter eckiger Betonbau an der Straße Rote Brücke wird Hamburgs Fort Knox. Hier sollen künftig zwar keine Goldreserven gelagert werden, wohl aber mehrere Millionen Euro aus Norddeutschland. Die Securicor-Gruppe, Deutschlands zweitgrößtes Sicherheitsunternehmen mit rund 6000 Mitarbeitern, feierte gestern Richtfest für das moderne Cash Center. Schon im April sollen hier 120 Männer und Frauen rund um die Uhr Dienst tun. Die stahlverstärkten Rolltore der Sicherheitsschleusen werden sich dann nur noch öffnen, um Geld- und Werttransporter aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen einzulassen. Im Gebäude wird das Geld - beispielsweise die Tageseinnahmen von Kaufhäusern oder Baumärkten - "bearbeitet". Papiergeld und Münzen werden mit modernsten Maschinen gezählt, gerollt, gebündelt und auf Wunsch "landeszentralbankgerecht aufbereitet", das heißt, die Summen können schnell auf die Konten der Unternehmen bei deren Hausbanken gebucht werden. Selbstverständlich wird jeder Handgriff genauestens beobachtet: So gilt bei der Geldbearbeitung nicht nur das Vier-Augen-Prinzip, alle Aktivitäten in den Spezialräumen und auf dem Gelände werden per Videokamera überwacht und gefilmt. Die Filme kommen ins Archiv. Und ein feuerfester, 200 Quadratmeter großer Tresor mit dicker Stahltür sorgt schließlich dafür, dass Diamanten, wichtige Daten und "bearbeitetes Geld" nicht doch noch in die falschen Hände geraten, bevor sie an ihre Bestimmungsorte gebracht werden können. Private Cash Centren wie das in Billbrook werden in Zukunft eine immer wichtigere Rolle bei der Verwaltung großer Geldmengen und Wertsachen spielen, weil die Bundesbank ihre ehemals 210 Zweigstellen bis zum Jahr 2007 auf 66 reduzieren will. Securicor wird bis dahin bundesweit etwa 40 Millionen Euro in sechs Cash Centern, von denen Hamburg der erste Neubau ist, investiert haben. Wie wichtig der Hansestadt die Neuansiedlung mit 120 Arbeitsplätzen ist, zeigt sich daran, dass Finanzsenator Wolfgang Peiner (59/CDU) persönlich zum Richtfest erschien. In seiner Festrede sagte Wolfgang Peiner: "Wirtschaft ist in Hamburg immer willkommen."

Erschienen am 13. Dez 2002 in Hamburg